…auf Klassenfahrt nach Italien: Wir wollen alles!

wir-wollen-alles.jpg Im Oktober 2010 möchten wir eine Reise nach Italien machen. Hierzu gibt es nun die ersten Informationen: Wie sieht das Programm aus? Wann geht’s los? Wohin geht die Reise? Wer macht die Reise? Wie kann ich mich anmelden?

Diese Informationen sind auch hier als pdf-Dokument zusammengestellt: Ankündigung Klassenfahrt

 Thema der Reise ist die besondere Ausprägung des Klassenkampfes in Italien in den 1960er und 1970er Jahren - sowohl was die theoretischen Grundlagen als auch die angewandten Praxen anbelangt. Bei der Vorbereitung der Reise und während der Tage in Italien soll zwei Bedingungen nachgespürt werden, die die Entwicklung der revolutionären Bewegung in Italien begründeten: Die eine war das gesellschaftliche Erbe der Resistenza, die andere die besondere gesellschaftliche Zusammensetzung und der auf dem Zentralismus der großen Fabrik beruhenden Produktionsweise in Italien.

 Im Folgenden sind wesentliche Eckdaten der Reise benannt:

Titel und Thema der Reise ist: „Wir wollen Alles! Klassenkämpfe in Italien - Fabrikkämpfe, Autonomie & bewaffneter Kampf“. Der Reisezeitraum wird vom 04. - 09. Oktober 2010 sein, untergebracht sind wir in der Jugendherberge von Reggio Emilia in Mehrbettzimmern (hinzu kommen Tagesausflüge nach Mailand und Bologna).
Die Vorbereitung der Reise machen nette Leute & ihre Freund_innen aus Karlsruhe. Mit Filmen, Texten aus der Zeit und Veranstaltungen sollen die Grundlagen für interessante Begegnungen vor Ort geschafffen werden. Auch Auswärtigen soll die Möglichkeit gegeben werden, in die Vorbereitung eingebunden zu werden. Vor Ort „übernehmen“ dann die Genoss_innen des istoreco Reggio Emilia (Institut für Zeit- und Sozialgeschichte) die Reiseleitung.
An der Reise können max. 20 Personen teilnehmen. Die Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Bei der Anmeldung sind 100,- Euro Anzahlung fällig. Nehmt hierzu Kontakt auf unter: sk@organisiertelinke.org.c
Die Reise wird voraussichtlich unter 500,- Euro kosten. Enthalten sind hierbei die Unterbringung und Verpflegung vor Ort (keine Getränke), die notwendigen Fahrten (An- und Abfahrt & Transporte vor Ort) nicht.

Hier nun eine kleine Einführung sowie eine Programmübersicht in Stichworten:

Wir wollen unseren heißen Herbst 2010 in Italien erleben und laden zur gemeinsamen Spurensuche ein. In nahezu allen entwickelten kapitalistischen Ländern flammten in den 1960er und 1970er Jahren Kämpfe in den Fabriken auf. Zeitgleich entstanden auf der Straße und an den Universitäten neue soziale Bewegungen mit undogmatischen, kapitalismuskritischen Theorien und innovativen, revolutionären Praxen. Doch selten konnten sich diese Erscheinungsformen des Klassenkampfes gegenseitig beeinflussen: Die Arbeitskämpfe neigten in der Regel dazu, den wirtschaftlichen Zyklen von Krise und Aufschwung zu folgen und orientierten sich vorwiegend an traditionellen Fragen gewerkschaftlicher Arbeitskonflikte. Die neuen sozialen Kämpfe hingegen grenzten sich oft von den klassischen Themen der Arbeitskonflikte ab und neigten dazu, den Bezug zu einer antikapitalistischen Perspektive zu verlieren. 

Anders in Italien. Dort waren die Kämpfe in den Fabriken und die neuen sozialen Kämpfe auf besondere Weise miteinander verflochten. Wenigstens drei Besonderheiten kennzeichnten die Ausprägung der dortigen Klassenkonflikte: Erstens die lebendige Produktion von Analysen der kapitalistischen Gesellschaft, die als Grundlage für die Entwicklung von neuartigen politischen revolutionären Praxen dienten. Zweitens die starke Politisierung der Arbeiterkämpfe verknüpft mit der Neigung zur Bildung von autonomen Zusammenschlüssen und Strukturen. Und drittens die hohe Radikalität von Arbeitskonflikten und sozialen Kämpfen - einschließlich einer diffusen Legitimation militanter / bewaffneter Aktionsformen.

Durch inhaltlichen Austausch bei der Vorbereitung der Reise und in den Treffen und Diskussionen während des Aufenthalts in Italien möchten wir einigen zentralen Bedingungen nachgehen, die die Entwicklung der revolutionären Bewegung in Italien begründeten. Dazu zählen unserer Meinung der Bezug auf die Resistenza, dem bewaffneten Kampf gegen Faschismus und Besatzung, der vermittelte, dass auch ein illegal geführter Kampf legitim sein kann. Ebenso untersuchen wollen wir den scheinbaren Widerspruch der italienischen Gesellschaft, die trotz einer nur kleinen Arbeiterklasse das größte und stärkste kommunistische Milieu in (West-)Europa vorzuweisen hatte. Und natürlich gehören hierzu auch die Betrachtung der besonderen Zusammensetzung der Arbeiterklasse in den großen Industrien des Nordens, die in einer beispiellosen Mobilisierung der Arbeiterbewegung mündete.

Programmübersicht:

Sonntag: 03.10.2010
Anreise in Reggio Emilia

Montag, 04.10.2010, Reggio Emilia
1. Einführung in die Geschichte Italiens: Vom Faschismus über die Resistenza bis zur Befreiung.

2. Historischer Stadtrundgang in Reggio

3. Die Jungs in den gestreiften Hemden: Zeitzeugengespräch über den 07. Juli 1960, als fünf junge Arbeiter auf einer Demonstration in Reggio erschossen wurden.

Dienstag, 05.10.2010, Ausflug nach Mailand
1. Strategie der Spannung: Der Anschlag vom Piazza Fontana. Die Ermordung Pinellis. Zusammentreffen mit seinen Genossen.

2. Selbstverwaltung in der Fabrik: Das Basiskomitee von Pirelli. Zusammentreffen mit einem Aktivisten von CUB.

Mittwoch, 06.10.2010, Reggio Emilia
1. Bewaffneter Kampf: Die Entstehung der Brigate Rosse in Reggio. Zusammentreffen mit Tonino Paroli.

2. Das Verhältnis der PCI zur Bewegung: Zusammentreffen mit einem Genossen, der in der kommunistischen Partei geblieben ist.

Donnerstag, 07.10.2010, Ausflug nach Bologna
1. Eine Stimme der Bewegung: Treffen mit Genossen des Radio Alice.

2. Frauenkämpfe: Austausch mit einer Feministin.

Freitag: 08.10.2010: Ausflug nach Mailand
1. Arbeitskämpfe heute: Besuch bei den Arbeitern von Innse.

Samstag, 09.10.2010: Reggio Emilia
1. Wanderung „Sentieri Partigiani“: Eine kleine Wanderung auf den Spuren der Partisanen.

2. Die italienische Resistenza: Zusammentreffen mit einem Partisanen / einer Partisanin.
Anschließend: Abfahrt.

 

März 02 2010 01:13 pm | Allgemeines

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